Periodenunterwäsche liegt Tag und Nacht auf einer der empfindlichsten Stellen deines Körpers. Es ist also mehr als berechtigt zu fragen, was eigentlich drinsteckt. Nach mehreren Tests in den letzten Jahren ist das Thema in Deutschland angekommen – und die Verunsicherung ist groß. Hier findest du eine ruhige Einordnung: was gefunden wurde, was davon wirklich zählt, und woran du beim Kauf erkennst, dass eine Marke sauber arbeitet.
Warum steckt überhaupt Chemie in Unterwäsche?
Periodenunterwäsche besteht aus mehreren Schichten, die zusammenarbeiten: eine Schicht, die Feuchtigkeit von der Haut wegleitet, eine saugfähige Mitte, eine wasserdichte Sperrschicht und ein Außenmaterial. Damit das funktioniert, kommen technische Textilien zum Einsatz – und manche Hersteller ergänzen zusätzlich eine antibakterielle Ausrüstung, damit nichts riecht.
Genau diese antibakterielle Ausrüstung ist der Punkt, an dem es kritisch wird. Sie ist nämlich gar nicht nötig: Geruch entsteht erst, wenn Blut über Stunden mit Luft und Bakterien reagiert. Ein gut konstruierter Aufbau, der Feuchtigkeit einschließt, löst das Problem ohne Chemie.
Was unabhängige Tests gefunden haben
Der bekannteste Test im deutschsprachigen Raum stammt vom Schweizer Gesundheitstipp und wurde 2023 auch von der Stiftung Warentest aufgegriffen. Getestet wurden zwölf waschbare Menstruations-Slips. Das Ergebnis:
- Sechs von zwölf Produkten enthielten kritische Substanzen – also jedes zweite.
- Fünf Slips enthielten Silberchlorid, ein Biozid, von dessen Einsatz in Textilien das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung abrät.
- Zwei Slips enthielten Nonylphenolethoxylat, eine in der EU verbotene Substanz, die über importierte Kleidung ins Land kommt.
Das heißt nicht, dass Periodenunterwäsche grundsätzlich bedenklich ist. Es heißt, dass es zwischen den Marken große Unterschiede gibt – und dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen als beim Kauf eines normalen Slips.
Silber und Biozide: das eigentliche Thema
Silberchlorid und ähnliche Stoffe wie Zinkpyrithion werden eingesetzt, um Bakterienwachstum zu bremsen. Zwei Dinge sprechen dagegen. Erstens können sie Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und die natürliche Bakterienflora im Intimbereich stören – und die ist dein wichtigster Eigenschutz. Zweitens bleiben sie nicht im Stoff: Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil des Biozids bereits nach wenigen Wäschen bei 40 Grad ausgewaschen wird und im Abwasser landet.
Anders gesagt: Der Stoff verschwindet mit der Zeit aus deiner Unterwäsche – aber nicht aus der Umwelt, und in den ersten Wochen eben schon an deiner Haut.
PFAS: die Ewigkeitschemikalien
PFAS sind eine Gruppe von Chemikalien, die Textilien wasser- und fettabweisend machen. Sie werden in der Natur praktisch nicht abgebaut, reichern sich im Körper an und stehen im Verdacht, Immunsystem und Hormonhaushalt zu beeinflussen. In Textilien sind sie deshalb ein berechtigtes Thema – gerade dort, wo eine wasserdichte Schicht gebraucht wird.
Die gute Nachricht: Eine wasserdichte Membran braucht kein PFAS. PUL – eine mit Polyurethan laminierte Schicht – erfüllt denselben Zweck. Frag beim Kauf konkret nach, ob die Sperrschicht PFAS-frei ist. Seriöse Marken beantworten das ohne Umschweife.
Mikroplastik: das, worüber selten jemand ehrlich spricht
Hier gehört Offenheit dazu, auch wenn es unbequem ist. Die saugfähige Mittelschicht von Periodenunterwäsche besteht bei praktisch allen Herstellern aus synthetischen Fasern – anders bekommt man die Saugleistung auf so wenig Volumen nicht hin. Beim Waschen lösen sich daraus feine Fasern.
Wer das reduzieren möchte, wäscht im Wäschebeutel (etwa einem Guppyfriend), bei niedriger Temperatur und im Schonprogramm. Was in der Gesamtrechnung trotzdem gilt: Ein Slip, den du zwei Jahre trägst, ersetzt mehrere hundert Einwegprodukte, die alle einzeln verpackt sind und ebenfalls Kunststoff enthalten.
Fünf Kriterien für den Kauf
- Keine antibakterielle Ausrüstung. Steht auf der Seite etwas von „antibakteriell“, „Silberionen“ oder „geruchshemmend behandelt“, frag nach, womit. Gute Konstruktion braucht das nicht.
- PFAS-freie Sperrschicht. Frag konkret nach dem Material der wasserdichten Schicht.
- OEKO-TEX STANDARD 100. Ein sinnvoller Grundfilter für Schadstoffe – aber kein Freibrief. Die Zertifizierung schließt nicht jede antibakterielle Ausrüstung aus, deshalb ist Punkt 1 zusätzlich wichtig.
- Vollständige Materialangabe. Eine Marke, die alle Schichten offenlegt, hat nichts zu verbergen. Steht dort nur „Baumwolle“, fehlt der wichtigste Teil.
- Erreichbare Ansprechpartner. Schreib eine E-Mail und frag. Die Antwort – und wie schnell sie kommt – sagt oft mehr als jede Produktbeschreibung.
Woraus Floena-Periodenunterwäsche besteht
Weil wir genau das von anderen verlangen, hier unsere eigene Zusammensetzung, Schicht für Schicht:
- Innenschicht (an der Haut): 95 % Baumwolle, 5 % Elasthan
- Saugschicht: 88 % Polyester, 12 % Nylon
- Wasserdichte Schicht: Air-PUL-Membran, PFAS-frei
- Außenschicht: 92 % Bambusviskose, 8 % Elasthan
Alle Materialien sind nach OEKO-TEX STANDARD 100 zertifiziert. Bei diesem Standard werden alle Bestandteile eines zertifizierten Artikels auf mehr als 1.000 potenziell schädliche Stoffe geprüft; mehr dazu erklärt OEKO-TEX. Wie der Aufbau im Alltag funktioniert, erklären wir ausführlich im Ratgeber Wie funktioniert Periodenunterwäsche?, und was das Bambus-Außenmaterial tatsächlich leistet, liest du hier. Unsere Periodenunterwäsche findest du im Shop.
Und die Waschtemperatur?
Ein Kritikpunkt aus dem Test betrifft die Pflege: Periodenunterwäsche wird bei 30 bis 40 Grad gewaschen, nicht bei 60. Für deine eigene Wäsche ist das unproblematisch, solange du sie nach jeder Nutzung wäschst und vollständig trocknen lässt – feucht liegen lassen ist der eigentliche Fehler. Die komplette Pflegeanleitung findest du unter Periodenunterwäsche richtig waschen.
Häufige Fragen
Sind Schadstoffe in Periodenunterwäsche ein reales Problem?
In einem Test von zwölf waschbaren Menstruations-Slips enthielten sechs kritische Substanzen, vor allem Silberchlorid. Das Problem betrifft also nicht alle Produkte, aber genug, dass sich genaues Hinsehen lohnt. Achte auf Marken ohne antibakterielle Ausrüstung und mit vollständiger Materialangabe.
Warum ist Silber in Periodenunterwäsche kritisch?
Silberchlorid wird als Biozid gegen Bakterien eingesetzt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät vom Einsatz in Textilien ab, weil es Hautreizungen auslösen und die natürliche Bakterienflora stören kann. Zudem wäscht sich ein Teil davon bereits nach wenigen Wäschen aus und gelangt ins Abwasser.
Enthält Periodenunterwäsche PFAS?
Nicht zwangsläufig. PFAS machen Textilien wasserabweisend, sind für eine wasserdichte Schicht aber nicht nötig – eine PUL-Membran erfüllt denselben Zweck ohne PFAS. Frag beim Kauf konkret nach dem Material der Sperrschicht.
Reicht das OEKO-TEX-Siegel als Sicherheit?
OEKO-TEX STANDARD 100 ist ein sinnvoller Grundfilter für Schadstoffe, schließt aber nicht jede antibakterielle Ausrüstung aus. Achte deshalb zusätzlich darauf, dass keine Silber- oder Biozidbehandlung angegeben ist.
Gibt Periodenunterwäsche Mikroplastik ab?
Die saugfähige Mittelschicht besteht bei praktisch allen Herstellern aus synthetischen Fasern, aus denen sich beim Waschen feine Fasern lösen. Ein Wäschebeutel, niedrige Temperatur und Schonprogramm reduzieren das deutlich. In der Gesamtbilanz ersetzt ein Slip über zwei Jahre mehrere hundert einzeln verpackte Einwegprodukte.
Über die Autorin
Mia Hartman schreibt für Floena über Periodenpflege, nachhaltiges Leben und ein gutes Körpergefühl. Sie ist überzeugt: Über die Periode darf man offen und ohne Scham sprechen – und die richtigen Produkte fügen sich leise in dein Leben ein, statt es zu unterbrechen.